Tomar – Burgen & Schlösser.

Burgen – Tomar

Tomar
Auf einem Bergrücken der Serra Constancia in Portugal liegt das malerische Städtchen Tomar, dessen Wahrzeichen die Klosterburg der Christusritter (Templer) ist. Das Kloster in seiner heutigen Gestalt ist das Ergebnis einer mehr als 700-jährigen architektonischen und religiösen Entwicklung. 1159, unter der Regentschaft von König Alfonso I., begann der Orden der Tempelritter mit dem Bau der Anlage.

1147 Eroberung von Santarém unter Beteiligung der Templer
1160 Bau der Ordensburg
1312 Aufhebung des Ordens der Templer
1319 Vereidigung des ersten Großmeisters des portugiesischen Ordens der Christusritter
1356 Tomar, Klosterburg der Christusritter
1509 Chorgestühl
1515 manuelinisches Portal der Doppelkirche
1797 Säkularisierung der Besitzungen der Christusritter
1810 Verwüstung durch französische Truppen, Vernichtung des Chorgestühls
1834 Enteignung des Ordens der Christusritter

Tomar: Im Nervenzentrum der Welteroberung

"Es war 1160 zur Regierungszeit des Königs Dom Afonso Henriques von Portugal: Gualdim Pais, Meister der Templer, begann mit seinen Rittern am ersten Tag des März mit dem Bau dieses Kastells, das der König Gott und den Tempelrittern genehmigt hat", lautete eine Inschrift in dem festungsgleichen Kloster. Wie ein in den Krieg ziehendes Schlachtroß hat es sich der Berghöhe über der Stadt Tomar bemächtigt. Bauherren waren die Tempelritter, ein reicher Waffenorden, der den von Fluß und Hügel geschützten Ort im 12. Jahrhundert zu seinem Sitz machte.

Die Grenze zwischen Abendland und Morgenland verlief damals in Westeuropa, mitten durch die Iberische Halbinsel. Nachdem im Zuge der Rückeroberung der von Mauren besetzten Gebiete 1064 Coimbra wieder in christliche Hand gelangt war, bildete der Fluss Mondego die Grenze. Knapp ein Jahrhundert später hatte sich die Verteidigungslinie zwischen Kreuz und Halbmond zum Tejo verschoben. Um den Mondego zu sichern und sich für die Kriegshilfe bei der Eroberung von Santarém dankbar zu erweisen, stiftete Portugals König den am Fluss Nabão strategisch günstig gelegenen Bauplatz dem religiösen Militärorden für eine Ritterburg mit Kloster.

In dessen Mauern zog eine Gesellschaft von Männern ein, die ihre vornehmste Aufgabe in der Verbreitung des katholischen Glaubens und der Verteidigung der portugiesischen Unabhängigkeit sahen. Sie nannten sich in der Tradition der Kreuzritter "die besten der Besten". Zum portugiesischen Königshaus bestand eine enge Verbindung, die nicht selten in der Personalunion von König und Ordensgroßmeister zum Ausdruck kam. Ungewöhnliche Privilegien, umfangreiche Schenkungen und geschickte Finanzpolitik verwandelten den Orden schnell in eine mächtige, unabhängige Institution. Als der Papst 1312 den ihm zu mächtig gewordenen Templerorden auflöste, sollte dessen gesamter Besitz an Rom fallen. Dinis I. umschiffte die päpstliche Weisung, indem er den Orden umbenannte und unter königliches Patronat stellte. Sechs Jahre nach dem päpstlichen Bann gegen die Templer residierten sie unter neuem Namen, als "Christusritter", im Kloster zu Tomar. Ihr bekanntester Großmeister war im 15. Jahrhundert Heinrich der Seefahrer, der Portugals maritime Expansion organisierte und aus den Ordenskassen finanzierte. Der Christuskonvent wurde zum Nervenzentrum der Welteroberung. Die Karavellen von Vasco da Gama, Bartolomeu Dias und Pedro Álvares Cabral, die im Auftrag von Krone, Kreuz und Kapital in einem Jahrhundert vier Kontinente eroberten, segelten alle unter dem roten Kreuz der Christusritter. Die Investitionen münzten sich in unermessliche Reichtümer in Form von Gewürzen, Gold und Sklaven um.

Die kriegerischen Absichten des Ordens konnten kaum deutlicher in Szene gesetzt werden als mit diesem steinernen Monstrum über Tomar. Der Christuskonvent ist das größte Kloster Portugals, an dem noch im 17. Jahrhundert gebaut wurde, als der Orden längst ein Mönchsorden war. Aus der Gründerzeit stammen Reste der Wehrfestung mit doppeltem Mauerring. Den Kern der Anlage bildet ein gewaltiger, 16-eckiger Rundbau. Durch ein reich bearbeitetes Portal aus der manuelinischen Bauphase im 16. Jahrhundert gelangt man in die alte Templerkirche, die vermutlich sogar einen Zugang für Pferde hatte, und die achteckige Charola, das eigentliche Sanktuarium der Templer. An diesen Komplex schließen die manuelinische Christusritterkirche und insgesamt sieben Kreuzgänge an. An der Außenseite des Kapitelsaals wurde das berühmte Fenster von Tomar ("Janela de Tomar") eingesetzt, Musterbeispiel des manuelinischen Baustils, der nach König Manuel I. benannt ist, der während Portugals Goldenem Zeitalter der maritimen Expansion regierte. Dickes Takelwerk umrankt das Fenster, verschlungen, geknotet und mit Seetang bewachsen. Meeresgetier wie Muscheln und Korallen sind detailverliebt in den Stein gearbeitet, auch die Armillarsphäre, astronomisches Messgerät und Symbol der Entdeckungen, fehlt nicht. Über allem prangen vereint das Wappen des Königshauses und das Kreuz der Christusritter.

Quelle: wissen.de, Beate Schümann


Das absolute Highlight bei der Besichtigung
 des Convento da Ordem de Cristo ist die
Charola, die das Kernstück des Klosters bildet.

Diese Templerkirche ist der Grabeskirche
 in Jerusalem nachempfunden. Der achteckige
Altarraum spiegelt
den Reichtum des Chritusritterordens wieder.


Das Manuelinische Fenster von 1510 mit
seinen Seefahrermotiven, dem Kreuz
der Christusritter und dem Wappen Manuels I

Die Templer, die bei der Vertreibung der Mauren aus Spanien und Portugal mitgeholfen hatten, waren mit der arabischen und byzantinischen Kultur gut vertraut, wovon vor allem die verzierten Muster und Schmuckelemente an der Burg Zeugnis ablegen. 1510 entstand das Mittelschiff der Kirche, ein Glanzstück der so genannten Maluelinik, jenes unverwechselbar portugiesischen Stils, der maurisch beeinflusste Formen der Spätgotik mit Elementen der Frührenaissance vermischt.

Der Convento da Ordem de Cristo ist ein Kleinod der manuelinischen Kunst; Haupteingang zur Kirche ist das manuelinische Portal, 1515 geschaffen von Joào Castilho. Hauptsehenswürdigkeit ist die Gebetskapelle der Templer, Charola genannt. Insgesamt 7 Kreuzgänge hat die Anlage. wobei der “Große Kreuzgang” besonders sehenswert ist.

Eine der Aufgaben des Ordens war die Rückgewinnung der noch von den Mauren besetzten Gebieten. Großmeister waren unter anderem Heinrich der Seefahrer und König Manuel I. Der Christusorden hatte auch einen großen Anteil an den Entdeckungsreisen Portugals. 1523 wandelte Joào III. den Ritterorden in einen Mönchsorden um. 1834 verlor der Orden seine Besitztümer und wurde 1910 mit dem Ende der Monarchie aufgelöst

Öffnungszeiten:

 Täglich: 9H15 - 12H30 und  14H00 - 18H00 (Nach 17H00 Kein Einlass) - Eintritt für Studenten frei.