Einige Tage später brachten sie eine Fracht die Yonne hinauf bis nach Sens. Es war Dienstag, der 12. Mai 1310. In der Stadt gerieten sie in eine erregte Menschenmenge. Man drängte sie zum großen Platz, auf dem ein breit angelegter Scheiterhaufen aufgerichtet war. Karren wurden unter lautem Geschrei herangefahren. Auf ihnen kauerten gefesselte Templer. Ihre Mäntel, das Zeichen ihrer Ordenswürde, hatte man ihnen geraubt.
Vierundfünfzig Männer waren es, die im Kampf ums Heilige Land ergraut waren, und solche in vollster Lebenskraft. Man riss ihnen die Kleider ab, stieß sie auf den Holzhaufen und band sie an die Pfähle. Dann versprach ihnen ein Herold das Leben, sofern sie die Schuld des Ordens bekennen würden. Die Henker zündeten etwas weiter entfernt Reisigbündel an und schoben sie mit langen Stangen an die Scheiterhaufen heran. Noch durch den Rauch konnte man die Stimmen der Unglücklichen hören, die die Unschuld des Ordens beteuerten. Andere riefen den Wahlspruch des Ordens, unter dem dieser zweihundert Jahre gestanden und gewirkt hatte:
“Nichts für uns, Herr, nichts für uns, sondern alles zur Ehre deines Namens!” Am 3. April 1312 war es soweit: Das Urteil über den Templerorden wurde in der Kirche von Vienne verkündet: “Nicht ohne Bitterkeit und Seelenschmerz”, sagte der Papst, “aber auch durch keinen Rechtspruch – sondern allein durch die Macht unseres Apostelamtes, aus Fürsorge für die Christenheit und mit Zustimmung des Konzils, heben wir den Templerorden auf. Alle Tempelgüter werden auf die Johanniter übertragen. Zwei Jahre später, am 18. März 1314, wird der letzte Großmeister des Ordens, Jaques de Molay, in Paris verbrannt.”