König Philipp der Schöne will Frankreich mit einer einheitlichen Gesetzgebung zusammenfassen”, gab der Kaufmann zu bedenken, “da stört ihn der Templerorden, der ein unabhängiges übernationales Rechtsgebilde ist. Der König kann die Templer seinen Gesetzen nicht beugen, weil sie eigene haben und nur dem Papst untertan sind.” “Dem Papst!” echote Friedolf verächtlich. “Außerdem hat der König nur Schulden, wogegen die Templer mit ihren neuntausend abendländischen Niederlassungen und mit ihrer Flotte sehr wohlhabend sind – die beweglichen Güter noch nicht mitgerechnet.” “Als der König das falsche Geld hat prägen lassen”, erinnerte Arnold, “musste er vor dem Volkszorn zu den Templern fliehen. Da hat er wohl den Reichtum in ihrem Tresor gesehen!”
Unter den Entsetzensschreien der herbeigeströmten Volksmenge gab das Tor nach und brach ein. Die Häscher drangen in das Haus. Ketten rasselten, Rufe klangen heraus in die plötzlich eingetretenen Stille. Ein Stöhnen drang aus der Menge: Dort drinnen im Templerhaus war ein böser Brand, ein schwelender Brand zum Ausbruch gekommen, und jeder fühlte es. Mit derben Zurufen trieben die Häscher eine Reihe von zusammengeketteten Templern auf die Straße. Die Schergen hatten diesen verdienten Männern nicht einmal die Zeit gelassen, sich würdig zu bekleiden. Da aber ritt der Herold des Bischofs vor die Menge.
Im Schein einer hochgehobenen Fackel las er einen Aufruf vor: “Auf Beschluss des Königs von Frankreich werden am heutigen Tag alle Templer in den französischen Landen und in denen, die befreundet sind, in ihren Häusern verhaftet! Die hohen Würdenträger des Ordens sollen nicht ausgeschlossen sein. Ebenso soll es den Beratern des Königs gehen, sofern sie Templer sind. Der Orden ist schlimmer Dinge angeklagt und wird sich verantworten müssen. Noch am heutigen Tag werden in ganz Frankreich die Voruntersuchungen aufgenommen werden. Der König hat an alle gekrönten Häupter des Abendlandes schreiben lassen und sie aufgefordert, seinem Beispiel zu folgen und die Templer gefangen zu setzen.”