Die Normannen in der Normandie – Mittelalter.
Die Normannen in der Normandie
Das Herzogtum Normandie selbst ist ein unmittelbares Ergebnis der Wikingerangriffe auf Westeuropa und insbesondere Nordfrankreich. Die offizielle Gründung erfolgte im Vertrag von St-Clair-sur-Epte, in dem der westfränkische König Karl der Einfältige im Jahre 911 einer Wikingerschar, die über längere Zeit hin unter ihrem Anführer Rollo bei ihren Streifzügen im Seinetal große Verwüstungen angerichtet hatte, Gebiete an der unteren Seine und die Stadt Rouen überließ. Zwei weitere Gebietsverleihungen folgten 924 und 933 durch den nachfolgenden König Rudolf, die zweite an Rollos Nachfolger Wilhelm Langschwert.
Die ersten skandinavischen Siedler in der Normandie waren überwiegend Dänen, obwohl ihr Anführer Rollo aus Norwegen kam. Es scheint auch klar, dass sie vergleichsweise wenige waren und dass sich ihr Siedlungsgebiet auf die Küstenregion, das untere Seinetal und das Gebiet nördlich davon beschränkte. Vermutlich bestand die Siedlungsaktivität in erster Linie in der Errichtung einer kriegerischen Oberschicht, welche die alte fränkische Herrschaft verdrängte. Diese ursprünglich skandinavische Siedlergesellschaft blieb offen, nicht nur für skandinavische Neuankömmlinge im 10.Jh, sondern auch für fränkische Nachbarn und Einwanderer aus weiter entfernten Landesteilen, und man heiratete ohne weiteres fränkische Frauen. Einwanderung wird zu einem typischen Merkmal der Normandie. Aus diesen und anderen Gründen, einschließlich der Annahme des Christentums als Voraussetzung für den Vertrag Von St-Clair-sur-Epte, wurden die "Nordmänner" der Normandie in zunehmenden Maße romanisiert, sie wurden sozusagen zu richtigen Normannen, bis sie um die Mitte des 11 Jh. fränkischer waren als die Franken. In dieser Zeit wandten sich die Nordleute von Skandinavien ab und übernahmen die Kultur der Franken. Für die Normannen war der christliche Glaube nicht nur eine Bedingung des Vertrags und ein wichtiges Mittel, um angesehene Mitglieder der fränkischen Gesellschaft zu werden, sondern in der Folge auch die Antriebskraft all ihrer sonstigen Bestrebungen.
Alle normannischen Adlige waren in der Mitte des 11.Jh.ganz natürlicherweise auch Krieger. Sie waren berittene Kämpfer, mit anderen Worten: sie waren selbst Ritter ebenso wie Herren vieler anderer untergeordneter Ritter. Ein gemeinsames militärisches Training, das Zusammenleben am Hofe des Gefolgsherrn, gemeinschaftliche Annahme der Ritterwürde gab dieser "Klasse" einen fest Zusammenhalt und stellte die Ritter über die Leute geringeren Standes. Aus Berichten geht hervor, dass "Ritter" um die Mitte des 11.Jh. ein Rang war, "Ritterschaft" das Zeichen eines gesellschaftlichen Status und eine Ehre, die einem jungen ledigen Mann nur nach einer langen und entbehrungsreichen Lehrzeit im Waffenhandwerk, in der Reitkunst und in höfischem Betragen gewährt wurde. Die Ritterwürde wurde in einer Zeremonie verliehen, die gewöhnlich als "Übergabe der Waffen" beschrieben wird.
Die militärische Elite der Ritter, die das fränkische Kriegswesen beherrschte, war, nicht zuletzt in der Normandie, auch zu einer gesellschaftlichen Elite geworden. Wegen der hohen finanziellen Aufwendungen war diese Entwicklung unvermeidlich. Allein das Schlachtross war außerordentlich kostspielig. Das lange Kettenhemd, war ebenfalls teuer, genauso wie Schwerter und alles was sonst noch notwendig war. Die Kriegsführung in Frankreich verlagerte sich, insbesondere bei den Normannen, immer mehr auf die Ritter d.h. die schwere Kavallerie ,und die Burgen. (Quelle: Die Normannen von Richard Allen Brown)
Die herausragenden Merkmale der Normandie
- eine eigene religiöse Erneuerung
- eine neue Aristokratie voller Tatendrang
- eine übergreifende ritterliche Oberschicht
- die Feudalisierung der Gesellschaft
- ritterliche Kultur
- Liebe zum Krieg und dessen meisterliche Beherrschung
- Ausgedehnter Besitz in den Händen einiger weniger
- Eine expandierende Bevölkerung