Im Abendland hatte sich vieles verändert: Auch hier gab es Templer aus allen Bevölkerungsschichten. Die Reichen brachten ihre Güter ein, die Armen waren froh, dass sie nicht mehr zu betteln brauchten. Der Orden hatte Straßen gebaut, denn Straßen waren die Voraussetzung für den Handel; und der Handel sollte dem Lande den Wohlstand bringen. An den Kreuzungen errichteten die Templer Komtureien, Befehlsstationen für ihre Reitertrupps. Dort konnten Reisende und Kaufleute auch nächtigen, und ihre Pferde wurden versorgt. Templerkohorten kontrollierten die Straßen von Komturei zu Komturei. Sie verjagten die räuberischen Barone, die dort Ihr Unwesen getrieben hatten. Jedes Kind kannte die Tempelritter und fühlte sich von ihnen beschützt.
Es waren auch solche Ordenshäuser entstanden, in welchen neue Templer herangezogen wurden. Je nach Veranlagung wurden sie zu Kriegern herangebildet, die für den Orient bestimmt waren; auch solche, die zu den trutzigen Burgen geschickt wurden, welche die Grenze gegen die spanischen Mauren sicherten. Oder sie wurden zu Verwaltern und Rechenmeistern ausgebildet.
Am Fuße der Felsenfestung Puylaurent, nächtigten die Handwerker in einer von den zahlreichen Templer-Komtureien, die diesen wichtigen Handelsweg, der die Meere verband, säumten. Dort sahen sie zum ersten Mal, wie Reisende ihre Übernachtung und ihr Essen mit Templergutscheinen bezahlten. Das gesamte Abendland, sagte Miguel, als er ihre neugierigen Blicke sah, könne man mit solchen Gutscheinen durchqueren. “Stellt Euch einen Kaufmann vor, der wie wir von Collioure nach Spanien reisen will. Wenn er die Gutscheine nicht hätte, die unsere Rechenmeister erfunden haben, müsste er eine Truhe voll Silbergeld in mehrerlei Währung mit sich führen. Er könnte sonst weder sich noch seine Knechte und Lasttiere verpflegen. Er könnte aber geschehen, dass ihm die Truhe gestohlen wird; oder dass sie ihm auf einem Saumpfad in den Pyrenäen in die Tiefe stürzt. Dann müsste er mitsamt seinem Diener betteln gehen. Das ist schon öfter vorgekommen. Bei den Händlern gelten die Gutscheine, die sie in ihren Heimatstädten im Templerhaus eingetauscht haben, wie bares Geld. Man kann sie aber auch in jedem Templerhaus zurücktauschen. Eine sehr kleine Tauschgebühr behält der Orden für sich.” “Und was machen die einzelnen Komtureien mit den Gutscheinen?” “Sie sammeln sie und schicken sie zweimal im Jahr an die Ballei, zu der sie gehören, also an die Hauptkomturei ihres Bezirks. Dort zählt man ihren Wert zusammen und befördert sie ins Haupthaus des Landes, das sich meist In der Königsstadt befindet. Aber auch die Haupthäuser der Königreiche müssen abrechnen und ihre Ergebnisse in jenes Haupthaus schicken, das für das Abend- und das Morgenland die oberste Rechnungsstelle ist. Dieses Haupthaus ist das Templerhaus von Paris. Dort ist der Tresor des Ordens.”