Manchmal spricht man von der Ritterschaft....

... als von einem Orden, so als sei Rittertum mit religiösen Orden vergleichbar; manchmal ist die Rede von einem Stand, von einer sozialen Klasse -einer Kriegerkaste, deren militärische Aufgabe es nach Auskunft der mittleren Autoren war, patria und Kirche zu verteidigen. ... Das Rittertum kann nicht losgelöst von der kriegerischen Welt des ritterlichen Kämpfens zu Pferd gesehen werden, es lässt sich auch nicht von der Aristokratie trennen, denn Ritter waren in der Regel von hoher Abkunft, und erst ab Mitte des 12. Jahrhunderts fand das >Rittertum< häufig einen ethischen und religiösen Klang. Aber es bleibt ein Wort, das sich der Definition entzieht, in seinen Bezügen ist es eher vage als präzis. ... Schon in einer sehr frühen Phase lässt sich beobachten, dass die Romanautoren üblicherweise Eigenschaften miteinander verbinden, die sie offensichtlich als die klassischen Tugenden eines vollkommenen Ritters ansahen:" Tapferkeit, Vasallentreue, Freigebigkeit, höfisches Wesen und "die gelassene und freie Haltung als sichtbares Zeugnis einer Verbindung von hoher Geburt und Tugend. Die Zusammenstellung der ritterlichen Eigenschaften erfolgte bereits in den Romanen des Chrétien de Troyes (geschrieben zwischen ca. 1165 - ca. 1185), ... als unveränderliches Merkmal ritterlicher Würde. ...

Ein für die Geschichte des Rittertums wichtiger...

... Aspekt des Kreuzzuggedankens ist, auf welcherweise dieser die Repräsentanten der Kirche und insbesondere des Reformpapsttums des späten 11. Jahrhunderts in Einklang mit dem Krieg und seiner Stellung in der Geschichte brachte. Der Kreuzzugaufruf Papst Urbans II 1095 setzte den Schlusspunkt hinter eine lange Entwicklungsperiode in der kirchlichen Meinungsbildung zu diesen Fragen. Auf diesem Gebiet hatte es schon immer eine Spannung zwischen den pazifistischen und militärischen Strömungen jüdisch-christlicher Traditionen gegeben. Die Spannung ist selbst in der Bibel spürbar. Das alte Testament zeigt Jahwe meist als den Gott des Krieges, während das Neue Testament von der Ankunft des Friedensfürsten spricht, der predigte, dass den sanftmütigen die Erde gehöre, und der Petrus befahl, das Schwert in der Scheide zulassen. ... Die Verbindung der Ideenstränge zeigt sich deutlich in Clermont, wo 1095 Papst Urban II auf dem selben Konzil den Kreuzzug predigte und gleichzeitig den Gottesfrieden proklamierte, den er in der ganzen Römischen Christenheit zu befolgen gebot", heißt es im Buch "Das Rittertum".

Im Kriegswesen wurden von früh an ...

... die verschiedensten Insignien als Erkennungszeichen auf dem Schlachtfeld eingesetzt. Die Wappen scheinen hier ein besonderes Bedürfnis des Mittelalters erfüllt zu haben. ... Nachdem heraldische Zeichen zunächst auf Schilden abgebildet wurden, erscheinen sie bald darauf auf den Übergewändern der Ritter, auf den Schabracken ihrer Pferde, auf ihren Siegeln, ihren Grabstätten und ihren bildlichen Darstellungen. ... Das Wappentragen, ursprünglich das Privileg des Hochadels, versinnbildlichte im Laufe der Zeit den Stolz auf vornehme Geburt, auf Stellung und Kultur des Adels im weitesten Sinne. Und genauso wie im Spätmittelalter der Adelstitel über den Kreis der Ritterschaft hinaus vergeben wurde und dabei auch ländliche Gutsbesitzer , Männer bescheidenen Standes, die in Deutschland so benannte >Ritterschaft< und sogar das Stadtpatriziat umfassen konnte, so verdrängte letztlich das Anrecht auf Wappen den Schlüssel zum ersehnten Kreis der Ritterschaft. ...

Als gegen Ende des 13. Jahrhunderts der ...

... auf dem Erbrecht beruhende Zugang zur Ritterwürde stärker in den Vordergrund trat, begegnet zum ersten Mal eine neue Gattung von Dokumenten, nämlich königliche und fürstliche Urkunden, mit denen die Adelswürde an nichtadelige Personen verliehen wurde. Zunächst war diese eine sehr selten praktizierte Maßnahme, aber im Laufe der Zeit wurden solche Verleihungen oder Patente immer üblicher. ... In der Regel erwähnten die Patente als besonderes Privileg des adeligen Status das Recht, die Ritterwürde anzunehmen. Häufig enthält der Adelsbrief auch die Verleihung eines Wappens und Angaben über das Wappenbild. ... Das Adelspatent diente in diesem Entwicklungsstadium und in der Mehrzahl der Fälle als gültige Eintrittkarte in die erlauchten ritterlichen Kreise. In diesem Sinne übernahmen die Patente die Funktion der Ritterschlagszeremonie. ... Es ist durchaus zweierlei, in den Adelsstand erhoben zu werden oder die Ritterwürde zu erhalten." Schließlich adelte man die Nachkommenschaft gleich mit. Die Ritterwürde ist dagegen nicht vererbbar.

Andererseits, wie auch immer, in der heutigen Zeit kann man sich mit den alten Rittertugenden, den Idealen von Einst, der Geschichte und den Bauten von damals, die heute Denkmäler sind, beschäftigen. Es heisst auch über das Thema Ritter und Ritterorden: “Es ist sicherlich kein Zufall, dass in unserer formlos gewordenen Zeit bestehende Ritterorden mit ihren Traditionen, fordernden Regeln, verpflichtenden Tugenden, großen Zielen und humanen Aufgaben wieder Zuspruch und Beachtung gewinnen.“