Franziskaner

(Ordo Fratrum Minorum)

Der Orden, lateinisch "Ordo Fratrum Minorum", "Orden der Minderen Brüder", entwickelte sich aus der Bruderschaft um Franziskus von Assisi in den Jahren zwischen 1210 und 1220. 1223 erfolgte die Anerkennung der Gemeinschafts-Regel durch Papst Honorius III.

Im Mittelpunkt franziskanischer Geistigkeit steht die Armut und eine einfache, natürliche Lebensweise. Franziskus von Assisi lebte in Armut und widmete sein Leben dem Gebet und der Predigt, für die er durch das Land reiste, um viele Menschen als Zuhörer zu gewinnen. Nachdem sich ihm 11 Gefährten angeschlossen hatten, führte er sie von Assisi nach Rom, um den Segen des Papstes zu erwirken. Papst Innozenz III. gab ihnen 1208 seinen Segen unter der Bedingung, dass sie Geistliche (Kleriker) würden und ein Oberhaupt wählten. Franz wurde zum Oberhaupt gewählt, die Gruppe kehrte nach Assisi zurück. Hier wurde ihnen die Nutzung der kleinen Kapelle von Santa Maria degli Angeli aus dem Besitz des Benediktinerklosters vom Berg Subasio zugesagt. Von dort aus zogen die Brüder der rasant wachsenden Gemeinschaft in alle Himmelsrichtungen, um das Evangelium zu verkünden. Schon bald kamen die ersten Brüder auch nach Deutschland.

Nach dem Tod von Franziskus wurde in seiner Heimatstadt über seinem Grab ein Kloster mit Basilika errichtet. Einige der Anhänger störte die Pracht des Baus, da dies sich nicht mit den Armutsidealen des Ordens vereinbaren ließ. Zur Beendigung des daraufhin entbrennenden Streites verfügte Papst Gregor IX., dass eine gewählte Ordensverwaltung Gelder besitzen dürfe und der Bau von Klöstern den Absichten des Ordensgründers nicht widerspräche. Dies führte zur Spaltung des Franziskanerordens. Im Jahr 1517 wurde diese von Papst Leo X. anerkannt.

Er teilte den Orden in

  • die Konventualen (Minoriten), denen ein gemeinschaftlicher Besitz erlaubt wurde, und
  • die Observanten (Franziskaner), die eine möglichst enge Befolgung der Regel des Franziskus anstrebten. Sie bilden bis heute die größere Gruppe; von ihnen spalteten sich wenig später die Kapuziner ab, um sich als unabhängiger Orden zu organisieren.

Um Franziskus enge Gefährtin Klara von Assisi bildete sich der Orden der Klarissen, der "Zweite Orden".

Mehr als bei anderen Orden sammelten sich um die Franziskaner auch Laiengemeinschaften, die den so genannten "Dritten Orden" bilden (in Deutschland heute: „Franziskanische Gemeinschaft“). Ihre Mitglieder nennen sich "Tertiare". Im 19. Jahrhundert entwickelten sich aus dem Dritten Orden eine Vielzahl von Kongregationen (Franziskanerinnen, Franziskusbrüder u. a.), deren Mitglieder sich karitativen Tätigkeiten wie der Krankenpflege und der Erziehung widmen.

Neben ihrer Predigertätigkeit und den karitativen Werken wirkten die Franziskaner im Erziehungsbereich. Vor der englischen Reformation lehrten viele Franziskaner an englischen Universitäten. Berühmtheit erlangten die Franziskaner-Professoren Johannes Duns Scotus, == Wilhelm von Ockham und == Roger Bacon. Die Franziskanischen Orden haben vier Päpste hervorgebracht: Sixtus IV., Julius II., Sixtus V. und Clemens XIV., dazu den Gegenpapst Alexander V.

Auf seiner ersten Fahrt nach Amerika wurde Christoph Kolumbus von einer Gruppe von Franziskanern begleitet. Die ersten Klöster in Amerika wurden von Franziskanern in Santo Domingo und La Vega, der heutigen Dominikanischen Republik, errichtet. Während die spanischen Franziskaner immer weiter in den Süden von Amerika und bis zum Pazifik vordrangen, missionierten die französischen Franziskaner, die 1615 in Kanada gelandet waren, den Norden Amerikas. Im 20. Jahrhundert wurden von verschiedenen anglikanischen Kirchen eine Reihe von Franziskanergemeinschaften sowohl für Männer wie auch für Frauen gegründet. Die bedeutendste darunter ist Saint Francis in Cerne Abbas in der Grafschaft Dorset in England mit Niederlassungen auf den Britischen Inseln sowie in Neuguinea.

Das höchste Leitungsamt des Ordens wird vom "Generalminister" bekleidet, der für sechs Jahre gewählt wird. Der Name "Minister", lateinisch "Diener", geht auf Franziskus selbst zurück, der nicht wollte, dass die Oberen seines Ordens "Äbte" - "Väter" oder "Prioren" - "Erste" genannt würden. Als Mutterkirche des Ordens gilt die kleine Portiunkula-Kapelle bei Assisi, das Generalatshaus des Ordens befindet sich heute in Rom. Der Orden ist in Provinzen unterteilt, denen jeweils ein Provinzialminister vorsteht, der allen Brüdern einer Ordensprovinz vorsteht.

Die Franziskanertracht erkennt man an den graubraunen - in warmen Gegenden auch weißen - Kutten mit Schulterkragen und Kapuze. Die Minoriten tragen eine schwarzer Kutte mit großem Schulterkragen. Der Habit der Kapuziner ist rotbraun; an ihm ist die lange Kapuze fest angenäht. Anstelle eines Gürtels tragen alle Franziskanischen Ordensleute einen weißen Strick mit drei Knoten.

Die Franziskaner haben derzeit weltweit rund 17.000 Brüder, die Kapuziner etwa 12.000 und die Minoriten rund 4.000 Brüder. In Deutschland haben die drei Zweige des Ersten Ordens im Jahr 1998 insgesamt 891 Mitglieder in 127 Niederlassungen von 8 Ordensprovinzen, darunter 555 Franziskaner, 110 Minoriten, 215 Kapuziner sowie in einem Kommissariat 11 Franziskaner des Regulierten Dritten Ordens.