Kreuzzüge

Die Synode von Clermont - Ende November 1095

Im Jahr 1095 rief Papst Urban II. auf dem Konzil (oder Synode) von Clermont zum Kreuzzug gegen den islamischen Orient auf. Damit gab er den Startschuss für e verschiedenen Wellen der Eroberung von Westen her, die zwei Jahrhunderte andauern sollten. Jerusalem selber wurde bereits nun vier Jahre nach dem Aufruf des Papstes von den Kreuzfahrern erobert. Man schrieb das Jahr 1099. Um die Frage zu klären, warum es überhaupt genug Menschen gab, welche sich für diesen Religionskrieg gewinnen ließen, ist es wichtig, die damaligen Verhältnisse etwas näher zu beleuchten.

Liebe Brüder, wer kann das mit trockenen Augen anhören? Der Tempel des Herrn, aus dem er in seinem Eifer die Käufer und Verkäufer hinausgetrieben hat, damit das Haus seines Vaters nicht eine Mördergrube werde, ist nun Sitz des Teufels geworden. Die Stadt des Königs aller Könige, die den andern die Gesetze des unverfälschten Glaubens gegeben hat, muss heidnischem Aberglauben dienstbar sein. Die Kirche zur heiligen Auferstehung, die Ruhestätte des Herrn, steht unter der Herrschaft derer, die an der Auferstehung keinen Teil haben, sondern als Stoppeln zur Erhaltung des ewigen höllischen Feuers werden dienen müssen. Die ehrwürdigen Orte sind in Schafkrippen und Viehställe verwandelt. Dem preiswürdigen Volke werden die Söhne entrissen und gezwungen, heidnischer Unreinheit dienstbar zu werden und den Namen des lebendigen Gottes zu verleugnen oder mit lasterhaftem Munde zu schmähen, und wenn sie sich den gottlosen Befehlen widersetzen, so werden sie wie das Vieh hingeschlachtet, Genossen der heiligen Märtyrer.

Den Tempelhändlern gilt jeder Ort, jede Person gleichviel; sie morden die Priester im Heiligtum. Wehe uns, die wir in den Jammer der gefahrvollen Zeit versunken sind, von der der fromme König David, sie im Geiste voraussehend, klagend gesprochen hat: ,,Gott, es sind Heiden in dein Erbe gefallen; die haben deinen heiligen Tempel verunreinigt. Herr, wie lange wirst du zürnen und deinen Eifer wie Feuer brennen lassen?" . . . ,,Wehe uns, daß wir dazu geboren sind, unseres Volkes und der Heiligen Stadt Zerstörung sehen und dazu stille sitzen zu müssen und die Feinde ihren Mutwillen treiben zu lassen!"

Bewaffnet euch mit dem Eifer Gottes, liebe Brüder, gürtet eure Schwerter an eure Seiten, rüstet euch und seid Söhne des Gewaltigen! Besser ist es, im Kampfe zu sterben, als unser Volk und die Heiligen leiden zu sehen. Wer einen Eifer hat für das Gesetz Gottes, der schließe sich uns an. Wir wollen unsern Brüdern helfen. Ziehet aus, und der Herr wird mit euch sein. Wendet die Waffen, mit denen ihr in sträflicher Weise Bruderblut vergießt, gegen die Feinde des christlichen Namens und Glaubens. Die Diebe, Räuber, Brandstifter und Mörder werden das Reich Gottes nicht besitzen; erkauft euch mit wohlgefälligem Gehorsam die Gnade Gottes, daß er euch eure Sünden, mit denen ihr seinen Zorn erweckt habt, um solch frommer Werke und der vereinigten Fürbitten der Heiligen willen schnell vergebe. Wir aber erlassen durch die Barmherzigkeit Gottes und gestützt auf die heiligen Apostel Petrus und Paulus allen gläubigen Christen, die gegen die Heiden die Waffen nehmen und sich der Last dieses Pilgerzuges unterziehen, alle die Strafen, welche die Kirche für ihre Sünden über sie verhängt hat. Und wenn einer dort in wahrer Buße fällt, so darf er fest glauben, daß ihm Vergebung seiner Sünden und die Frucht ewigen Lebens zuteil werden wird. Unterdessen aber betrachten wir diejenigen, welche im Glaubenseifer jenen Kampf auf sich nehmen wollen, als Kinder des wahren Gehorsams und stellen sie unter den Schutz der Kirche und der heiligen Apostel Petrus und Paulus; sie sollen vor jeder Beunruhigung ihres Eigentums oder ihrer Personen gesichert sein." - Der Herr gab der Rede seines treuen Knechtes, der so kräftig predigte und so herrlich war in der Verkündigung seines Wortes, solche Kraft und Wirksamkeit, daß sie allerwärts den glücklichsten Erfolg hatte. Es zeigte sich, daß das Werk von Gott angeregt war; denn alt und jung folgte mit der größten Freude diesem Aufgebot, so Schwieriges es auch verlangte.

Und nicht nur die persönlich Anwesenden hatten sich an dem Feuer seines Wortes für den Zug begeistert; die Predigt ging in alle Welt hinaus und entzündete auch die, welche sie nicht aus seinem Munde gehört hatten, zu gleichen Entschlüssen. Da trennte sich der Mann von dem Weibe und das Weib von dem Manne, der Vater vom Sohne, der Sohn vom Vater; es war kein Band der Liebe, das diesem Eifer hätte Nachteil bringen können, so daß viele Mönche aus ihrem Kloster kamen und viele, die sich freiwillig um des Herrn willen eingeschlossen hatten, aus ihrer Klausur. Doch hatte nicht bei allen die Liebe zu Gott ihren Entschluss veranlasst, und nicht alle trieb die weise Überlegung dazu. Viele schlossen sich bloß an, um ihre Freunde nicht zu verlassen, oder um nicht für träge zu gelten, oder aus Leichtsinn, oder um ihrer Gläubiger, denen sie schwer verschuldet waren, spotten zu können. Verschieden waren also die Beweggründe, aber alles eilte herbei. Niemand dachte im Abendland an Alter oder Geschlecht, Rang oder Stand; niemand kehrte sich an Abreden, alles gab ohne Unterschied sein Wort und gelobte einmütig mit Herz und Mund den Pilgerzug.

Der erste war der Herr Bischof Adhemar von Puy, ein Mann von ehrwürdigen Lebenswandel, der nachher als Legat des Apostolischen Stuhls dem Volke Gottes auf diesem Zuge mit ebensoviel Treue als Umsicht Dienste leistete; sodann der Herr Bischof Wilhelm von Orange, ein wahrhaft frommer und gottesfürchtiger Mann. Aber auch von den Fürsten beider Reiche, die nicht zugegen gewesen waren, rüsteten sich viele zu der Reise und munterten sich gegenseitig auf. Das Werk schien in der Tat von Gott geleitet zu werden und die Aufforderung dazu ein Wort aus Gottes Munde zu sein. Wo ein Fürst die Reise gelobt hatte, strömte das Volk haufenweise zusammen, um sich seinem Gefolge anzuschließen. Es hatten aber alle miteinander verabredet und auch der Herr Papst hatte es ihnen geboten, daß die, die den Zug mitzumachen gelobten, das segensreiche Zeichen des Lebendigmachenden Kreuzes auf ihren Kleidern trügen zur Erinnerung an das Leiden, dessen Stätte sie besuchen wollten. Das Gebot des Herrn: ,,Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir" 7, schien wörtlich in Erfüllung zu gehen.