Im Jahre 1244 umzingelte eine ganze Armee den Berg von Montségur. Die päpstlichen Offiziere trieben ihre Landsknechte zu schnellem Vorgehen an. Sie befürchteten nämlich, dass der deutsche Kaiser, Friedrich II., den Belagerten zu Hilfe kommen würde. Die Strategen des Angriffs waren davon überzeugt, nur durch einen schnellen militärischen Sieg ans Ziel kommen zu können. Mit einem Heer aus deutschen Landen wollten sie es nicht aufnehmen.

Mit militärstrategischen Zielen hätte es aber doch lange, zu lange, gedauert, um die Trutzburg einzunehmen. Es fand sich ein Verräter, der den “rechten Weg” wies. Am 1. März 1244 standen die Belagerer unmittelbar auf dem Gipfel. Vor ihnen türmte sich die Burg in den pechschwarzen Himmel. Meuchelmörder töteten die Wache. Man nahm die Festung aber nicht ein. Den Verteidigern wurde eine Frist von zwei Wochen eingeräumt. Freiwillig sollten sie ihren “sicheren Ort” aufgeben, dem Katharer-Glauben abschwören. Andernfalls werde man sie öffentlich bei lebendigem Leibe verbrennen.

In der Nacht vom 15. März 1244, also nur wenige Stunden vor Ablauf der Frist, gelang es vier Parfaits, sich von den hohen Zinnen der Burg abzuseilen. Sie hatten sich zur Tarnung in dunkle Wolltücher gehüllt. Irgendwie konnten sie sich durch den Ring von Belagerungstruppen schleichen. Retteten sie “nur” ihr Leben? Einer alten Überlieferung zufolge brachten sie den wertvollsten Besitz, den Schatz des Geheimordens aus der Burg in Sicherheit? Worum handelte es sich dabei? Und was es auch war: Wohin brachten sie es? Niemand vermag das zu sagen.

Anfang der dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts versuchte Otto Rahn das Geheimnis von Montségur zu lüften. Er recherchierte intensiv – in alten Historienbüchern, aber auch vor Ort. Ein Hirte erzählte ihm eine Geschichte, die damals in der einheimischen Bevölkerung in den Dörfern um den Katharerberg erzählt wurde. Kann man ihr glauben? Darin hieß es: “Als Montségurs Mauern noch standen, hüteten in ihnen die Reinen den Heiligen Gral. Die Burg war in Gefahr. Luzifers Heerscharen lagen vor ihren Mauern Den Gral wollten sie haben.”

Sollte sich also der Gral in der Festung befunden haben? Wurde er gerettet? Oder handelte es sich bei dem Schatz vielmehr um Dokumente, etwa über die Riten und Regeln des Katharerordens, die auf keinen Fall in die falschen Hände fallen durften, die man aber auch nicht zu vernichten wagte?

Wie auch immer: Kaum waren die vier “Reinen” entkommen, ergaben sich die übrigen Glaubensbrüder in ihr Schicksal. Fast scheint es so, als ob sie dann ihr Ende auf den Scheiterhaufen am Fuß des Berges gar nicht mehr erwarten konnten. Lachend und singend seien sie in die Flammen gesprungen. 205 Menschen kamen um. Nahm ihnen die Glaubensüberzeugung, bald schon ins himmlische Paradies eingehen zu können, jede Angst vor dem Tod?